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1000 Meter in den Berg

St.-Beatus-Höhlen

Ein Besuch in den St.-Beatus-Höhlen auf der Ostseite des Thunersees will zuerst verdient sein: Ein recht anstrengender Fussweg führt in Serpentinen zum Höhleneingang. Erklingt die Glocke, kann das Höhlenabenteuer beginnen: Willkommen im Reich der Stalagmiten und Stalagtiten! Auf einem geführten Rundgang geht’s fast tausend Meter in den Berg hinein. Unterwegs erfährt man viel Wissenswertes über das riesige Höhlensystem; zahlreiche Naturwunder versetzen uns in Staunen. Zum Schluss gibt’s ein tosendes Finale: den so genannten «Hexenkessel» mit seinen gurgelnden und rauschenden Bächen.

Ein steiler Fussweg führt zum Höhleneingang.(Michael Fankhauser)
 
  Praktisches zum Tipp  
     
  Bewertung: Ideales Ausflugsziel für Familien, leider nicht rollstuhlgängig. Kurzer anstrengender Aufstieg zu den Höhlen. Ausflugsziel gut mit Wanderungen kombinierbar (siehe «Der eBund-Tipp»).

An- und Rückfahrt: Zug bis Thun oder Interlaken, dann mit Autobus oder Schiff, Station «Beatushöhlen».

Öffnungszeiten: Geöffnet vom 24. März 2002 bis 20. Oktober 2002. Täglich von 10.30 Uhr bis 17.00 Uhr. Führungen etwa alle 30 Minuten, Dauer der Führung rund 50 Minuten. Höhlenmuseum: Von 12.00 bis 17.30 Uhr, montags geschlossen.

Jahreszeit: Im Winter geschlossen. Besonders eindrücklich im Frühling, wenn tosende Bäche aus Schmelz- und Regenwasser für eine rauschende Klangkulisse sorgen.

Eintrittspreise: Erwachsene 14.00 Franken, Studenten, Lehrlinge und AHV 12.00 Franken, Kinder 6.00 Franken.

Verpflegung: Restaurant St.-Beatus-Höhlen (direkt beim Höhleneingang), durchgehend warme und kalte Küche, hübsch gelegene Terrasse. Angenehmer Picknickplatz.
 
     
  Links:
SBB-Fahrplan
Beatushöhlen
Grottes touristiques de Suisse
Jakobswege in der Schweiz
Beatenberg
Thunersee Tourismus
 


Michael Fankhauser

Teile der St.-Beatus-Höhlen waren in prähistorischen Zeiten bewohnt. Im 6. Jahrhundert diente der Eingang der Höhlen dem irischen Apostel St. Beatus, der als erster Glaubensbote der Helvetier gilt, als sicherer Unterschlupf. So jedenfalls will es die Legende. Zweifellos lebte im Frühmittelalter ein Eremit in den Höhlen. Seit dem 11. Jahrhundert entwickelte sich die Klause zum Wallfahrtsort. Heute, einige Jahrhunderte später, ist man nicht nur einiges tiefer ins Niederhorn-Massiv vorgedrungen – gegen 15 Kilometer des riesigen Höhlensystems sind bislang erforscht und vermessen –, sondern hat die Pilgerstätte zu einem der attraktivsten Ausflugsziele des Berner Oberlandes ausgebaut: Da sind einmal die Tropfsteinhöhlen, die auf rund einem Kilometer Länge öffentlich zugänglich sind und nur auf einer geführten Tour besichtigt werden können. Weiter buhlen ein schön angelegter Naturpark, ein Höhlenmuseum mit wechselnden Sonderausstellungen und Schauräume mit nachgestellten Szenen des kärglichen prähistorischen Höhlenlebens um die Gunst des Publikums.

Märchenlandschaft aus Tropfsteinsäulen und kleinen Seen.(Michael Fankhauser) Doch nun zu den St.-Beatus-Höhlen: Diese entstanden durch unterirdische Erosion in Kreidekalk. In Millionen von Jahren wurde eine Märchenlandschaft aus Tropfsteinsäulen und kleinen Seen geformt, die von Scheinwerfern schön ausgeleuchtet nun zum unbekümmerten Phantasieren anregt: Da erblickt man plötzlich eine Riesenschildkröte aus Stein, hier einen überdimensionierten Krokodilskopf. Und, Moment, liegt da nicht ein stolzer Bär auf der faulen Haut? Auch eine Madonna mit Kind – gehört zum obligaten Inventar fast aller Tropfsteinhöhlen im christlichen Kulturkreis – fehlt nicht. Nicht immer sind die Namen der Sights («Spaghetti-Grotte», «Blumenkohl») geistreich gewählt. Widmen wir uns deshalb lieber den Naturwundern, und deren gibt es in den St.-Beatus-Höhlen viele: ein versteinerter Wasserfall, eine immerfeuchte Tropfsteinwand und – als Höhepunkt – die mystische Spiegelgrotte mit ihrem bezaubernden Wasser- und Farbenspiel.

Bezauberndes Wasser- und Farbenspiel.(Michael Fankhauser) Der Besuch der Höhlen ist ein kühles und feuchtes Unterfangen. Beständige 8 bis 10 Grad frisch ist es im Berginnern; überall tropft es von den Wänden, und immer wieder wird die Stille vom Rauschen der unterirdischen Bäche jäh unterbrochen. Kamine, die bis zur 400 Meter höheren Oberfläche reichen, sorgen für eine natürliche Belüftung der Höhlen. Sogar natürliches Leben kann hier existieren, zumindest in den Monaten, in denen die Höhlen öffentlich zugänglich sind. Dank Frischluftzufuhr, Wasser und Scheinwerferlicht gedeihen Farne und Flechten. Die rund 50 Minuten dauernde und durchaus lehrreiche Tour endet im «Hexenkessel»: Vor allem im Frühling (Schmelzwasser!) bietet sich hier, 86 Meter über dem Niveau des Höhleneingangs, ein gewaltiges Schauspiel aus sprudelnden und gurgelnden Gewässern. Auf gleichem Weg geht’s zum Ausgang.


 by the way

mif. Auf den Pfaden der Pilger: Der Besuch der St.-Beatus-Höhlen kann mit einer überaus reizvollen Wanderung verbunden werden. Gut drei Stunden dauert die Tour von Merligen über die Beatushöhlen nach Sundlauenen. Der Jakobsweg führt durch eine mediterran anmutende Waldlandschaft – die Ostseite des Thunersees ist bekannt für ihr mildes Klima – und bietet immer wieder eindrückliche Ausblicke auf den See und die Gipfel des Berner Oberlandes.

Unterwegs durchwandert man ein Naturschutzgebiet, passiert einen riesigen Steinbruch und gelangt in den zu den St.-Beatus-Höhlen gehörenden Naturpark. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Eingang der Höhlen. Auch laden Restaurant und Picknickplatz zum Rasten ein.

Besonders spektakulär ist der anschliessende Abstieg auf der in den Fels gehauenen Lucktreppe nach Sundlauenen. Dort bietet sich die Möglichkeit, den Tagesausflug mit einer Schifffahrt auf dem Thunersee abzurunden. Die Wanderung kann aber auch bis Interlaken fortgesetzt werden – schöner Badestrand in Neuhaus!



 
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