| Erst die enge Schlucht, dann der weite Blick
Saint-Imier – Combe Grède – Chasseral – Nods
Kurzweilige Wanderung auf den spektakulärsten Berg des Berner Juras, der zugleich auch ein De-Luxe-Panorama bietet: Nicht weniger als 160 Gipfel – zwischen Säntis und La Dôle – können Meister ihres Fachs vom Chasseral aus erspähen. Dramatisch ist der Aufstieg: Erst gehts durch eine feuchte Schlucht, dann in Serpentinen und über Leitern eine Felswand hoch. Der Weg ist gut gesichert, deshalb – mit der nötigen Vorsicht – auch für Kinder geeignet.
|
 |
|
|
|
|
| |
Praktisches zum Tipp |
|
| |
|
|
| |
Anforderungen: Mittel. Steile Schluchtpartie am Ende der Combe Grède (Leitern, feuchte Treppen), allerdings gut gesicherter Weg!
Anfahrt: Mit der Bahn bis Saint-Imier.
Rückfahrt: Bus ab Nods.
Distanz: Rund 9,7 km.
Wanderzeit: 3 h 40.
Jahreszeit: Frühling bis Herbst.
Verpflegung unterwegs: Restaurants in Saint-Imier, Hotel-Restaurant auf dem Chasseral, mehrere Gasthöfe in Nods.
|
|
| |
|
|
| |
Links:
SBB-Fahrplan
Saint-Imier
Parc Chasseral
Hotel Chasseral
Nods
«Bund»-Wetter
 |
|
|
|
|
Michael Fankhauser
Wir starten sanft ins Abenteuer: Vom Bahnhof Saint-Imier (793 m) führt ein gepflasterter Weg zwischen Ahornen zum mächtigen Gebäude der Uhrenfabrik Longines. An einem Sportplatz vorbei, dann bei einer Verzweigung halten wir uns links. Das Vallon de Saint-Imier präsentiert sich uns hier als Wiesenidyll: Blumen in allen Farben umgeben uns, die wir uns nun leicht aufwärts dem Wald nähern. Eine Tafel weist kurz darauf hin, dass wir nun das seit 1932 bestehende Naturschutzgebiet Combe Grède - Chasseral betreten. Wir wandern zunächst auf einem breiten Waldweg, später ein Stück auf der von Villeret aufsteigenden Teerstrasse. Der kleine Pfad, der rechts abgeht, ist leicht zu übersehen. Er bringt uns direkt zum spektakulären Schluchteingang der Combe Grède.
Riesige Kalksteinwände türmen sich neben uns auf, während wir auf glitschigem und steinigem Grund immer tiefer in den 900 Meter langen Felsenkessel vorstossen. Ab und zu müssen wir von einem Steinbrocken zum nächsten hüpfen – und, wenn wir ehrlich sind, ist uns auch ein wenig mulmig zumute, je mehr wir uns dem oberen rauen Ende der engen Waldschlucht nähern: Von einer «sehr steilen Schluchtpartie» ist in unserem Wanderführer nämlich die Rede, die man «über Eisenleitern und eingehauene Stufen» überwindet.
Ein Meer von Blumen
Doch wir können aufatmen: Der Ausstieg – oder besser: Aufstieg – aus der Schlucht entpuppt sich als bestens mit Seilen und Geländern gesicherter Pfad. In immer neuen Windungen sucht sich der Weg sorgfältig seine Bahn zwischen feuchten und unablässig tropfenden Felsen und beschert uns den einen oder anderen grandiosen Aussichtsbalkon. Ganz anders die Landschaft, die sich uns bei der Pré aux Anges (1265 m) eröffnet: lieblicher und lichter Wald und ein Meer von Blumen. Doch noch einmal kommen wir gehörig ins Schwitzen: Über baumlose Hochweiden krabbeln wir den Nordhang des Chasserals hoch bis zur Grathöhe (1548 m).
Qual der Wahl auf dem Chasseral: Man kann sich ab der 160-Gipfel-Sicht ergötzen, sich eine Verschnaufpause im Bergrestaurant gönnen, in 20 Minuten zum Gipfelsignal (Sendeturm) wandern, die schweren Maschinen der Motorradfahrerhorden bestaunen oder – vielleicht das schwierigste Unterfangen – sich einen ruhigen Picknickplatz sichern. Der Chasseral ist beliebt und für unseren Geschmack zu belebt.
Um so mehr geniessen wir den gut einstündigen Abstieg (Wegweiser: 1:15 Stunden) durch Wald nach Nods: Der schön angelegte Wanderweg senkt sich meist angenehm, so dass die Wanderschuhe nie drücken. Ab und zu hämmert ein Specht im Wald, doch das stört uns wenig: Die Stille ist schlicht grossartig. Ein kurzes Stück über Weiden noch, dann sind wir im Zielort Nods (885 m) auf dem Hochplateau der Montagne de Diesse.
| by the way |
|
Gleich drei Brände haben das Städtchen Saint-Imier, Ausgangspunkt der Wanderung, im 19. Jahrhundert heimgesucht. Entsprechend dünn gesät sind die Spuren seiner Vergangenheit: Sehenswert im Hauptort des Vallon de Saint-Imier sind die ehemalige Stiftskirche (erbaut 11. bis 12. Jahrhundert) und die Tour Saint-Martin, ein spätmittelalterlicher Überrest der einstigen, ins Frühmittelalter zurückreichenden Pfarrkirche.
Rund um und auf dem Chasseral – Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen – entsteht der erste Regionalpark der Schweiz. Auch das Naturschutzreservat Combe Grède ist Teil des Gebiets. Die enge Schlucht, deren Anfang und Abschluss je zwei schroffe Felswände bilden, weist einen grossen Pflanzenreichtum auf: Farne, Enziane, Anemonen. Mit etwas Fortüne lässt sich auch der rare Frauenschuh entdecken. Viele Geschichten und Sagen ranken sich um die Kluft. So soll sie das Zuhause von Hexen, aber auch des Sankt Nikolaus sein...
Der Zielort Nods am Fusse des Chasserals braucht sich nicht zu verstecken: Sein Ortsbild mit Bauten des 18. und vorwiegend des mittleren 19. Jahrhunderts ist gut erhalten. Ein besonderes Schmuckstück: der kleine Zeitglockenturm aus dem 17. Jahrhundert.
|
|
|
|